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Kurzbeschreibung Pressestimmen Inhaltsverzeichnis Leseprobe
Küß mich
Eine unterhaltsame
Geschichte der wollüstigen Küsse
Paperback, 251 Seiten mit 60 Abbildungen
ISBN 3-89741-080-X
Der Kuß wird da gepackt, wo er am heißesten ist.
Nicht von verstaubten Schmatzern und hingehauchten Höflichkeiten ist hier
die Rede, sondern von jenen brennenden Lippenliebkosungen, die viele Kußforscher
bislang sorgsam umschifften. »Brand-Kugel der Unzucht« oder »giftige
Schlangen-Bisse« hießen sie einst und durften — wenn überhaupt
— nur im ehelichen Bett getauscht werden. Was ihrer Verbreitung darüber
hinaus aber keinen Abbruch tat ...
Wie es Menschen anderer Kulturen mit
der Kußlust halten, wie in früheren Zeiten geküßt wurde,
wen und wohin Frauen und Männer am liebsten küssen, wird augenzwinkernd
und kenntnisreich kommentiert. Und es wird auch die genial einfache wie schwierige
Frage beantwortet, weshalb wir´s überhaupt tun ...
Zahlreiche
Abbildungen ergänzen diese frivole und manchmal tragische Geschichte der
»unzüchtigen« Lippenlust. So ist ein farbenfrohes Bild der
wollüstigen Küsse in aller Welt entstanden.
»Den Spuren, die der unersättliche Mund über
den Körper der Geliebten zieht, geht Ebberfeld nach — und läßt
dabei ebenfalls nichts aus. Völkerkundliches, Kultur- und Sozialwissenschaftliches
bezieht sie ebenso ein wie die Erkenntnisse der Psychologie und Sexualwissenschaft.
Mit Wonne durchforstet sie den Fundus der erotischen Weltliteratur von der Bibel
bis hin zum Playboy und zu den Kontaktanzeigen, fördert kuriose
Bräuche und Mythen zutage und ist dabei erfrischend tabufrei und angenehm
nüchtern (...) In unnachahmlicher Weise führt sie alle Stränge
zusammen und bewältigt dabei mit größter Selbstverständlichkeit
auf nur anderthalb Seiten sogar einen Exkurs vom — fast gänzlich tabuisierten
— Analkuss als höchste Form des Liebesbeweises ...«
SÜDDEUTSCHE
ZEITUNG
»Nach Ebberfelds Überzeugung ist das Küssen
aus dem ehemaligen Beschnüffeln und Belecken unserer Altvorderen am Hinterteil
hervorgegangen — ein heute noch bei Tieren zu beobachtendes Verhalten.«
DER SPIEGEL
»Die Vereinigung der Münder, schreibt die Kulturwissenschaftlerin
Ingelore Ebberfeld, ... bedeutet die symbolische Vereinigung des Fleisches.«
PRISMA
»Ohne die wissenschaftliche Ebene zu verlassen, wählt
Ingelore Ebberfeld mitunter eine frivole, teils erfrischend tabufreie, teils
angenehm nüchterne Sprache, so daß sich dieses Buch mit großem
Gewinn lesen läßt.«
SWR-NACHTKULTUR
»Ich küsse Ihre Hand, Madame und träum' es wär ...«
Einleitung
»Ich habe geliebt und ich habe geküßt«
Schluß
Auszug aus der Einleitung
»Ich küsse Ihre Hand, Madame
und träum', es wär ...«
Rudolph I. von Habsburg (1273—1291) soll gar nicht lange gefackelt haben, als der Bischof zu Speyer die Wangen seiner zweiten Gemahlin ungefragt küßte. Der Geistliche hatte der jungen Agnes aus dem Wagen geholfen und war wohl von ihrer Schönheit dermaßen hingerissen, daß die Lust zum Küssen über ihn gekommen war. Die Wangenküsse beschworen jedoch den Unwillen der Geküßten und, was noch schlimmer war, des Königs herauf. Der Bischof wurde des Landes verwiesen und mußte sich »bis zu seinem Tode in fremden Gegenden verbergen«.
Warum diese harte Strafe? Waren es nicht ehrbare Küsse, die der Geistliche auf die hoheitsvollen Wangen appliziert hatte? Offenbar nicht, denn das herrschaftliche Paar war keineswegs entzückt, ja der König muß außer sich gewesen sein. Auch waren die Hoheiten durchaus in Kenntnis offizieller Küsse, an denen es in jenen Tagen nicht mangelte. Offizielle Küsse waren jedoch, wie auch heute noch, von der Etikette genau vorschrieben, und die Wangenküsse des Bischofs gehörten zweifelsfrei nicht dazu. Zudem standen Geistliche in jener Zeit nicht im besten Rufe. Man unterstellte ihnen wollüstige Gedanken, die sie nicht im Zaume halten konnten und allerorts auszuleben versuchten.
Deshalb kann es durchaus sein, daß der König in den Küssen des Bischofs ein sexuelles Begehren sah. Vielleicht hatte er auch nur aus der Art und Weise, wie er Agnes geküßt hatte, eine intime Handung gedeutet. Wie dem auch sei, die Wangenküsse wurden von Rudolph nicht als Kavaliersdelikt abgetan, und das ist das Wesentliche.
Auch andere Küsse waren keine harmlose Angelegenheit,
wie die folgenden drastischen Strafmaßnahmen zeigen. Beispielsweise verloren
nach dem Lehnsrecht Vasallen ihr Lehen, wenn sie die Frau ihres Lehnsherrn nicht
aus Scherz, sondern aus »geiler Liebe« küßten. Noch arger
erging es einem Franzosen, der die Ehefrau eines anderen mit Gewalt geküßt
hatte, denn er wurde, so heißt es, zum Schwert verdammt. Und einen römischen
Bürger traf die Todesstrafe, weil er einer verheirateten Frau einen Kuß
geraubt haben soll. Ebenso ließ Papst Sixtus V. (1585—1590) einen jungen
Römer wegen eines geraubten Kusses nicht ungestraft davonkommen. Er veranlaßte,
ihn auf Galeeren zu schmieden.
Nun könnte man annehmen, daß derartige
Strafen der Vergangenheit angehören, doch weit gefehlt. Zwar wird niemand
mehr des Landes verwiesen, der ungefragt einen Blaublütigen küßt,
und auch der Papst erläßt keine Kußstrafen mehr, aber das Küssen
unter Nichtverheirateten steht zum Beispiel im islamischen Strafrecht unter
Strafe. Es kann mit einer Höchststrafe von 99 Peitschenhieben geahndet
werden. Man sollte sich folglich davor hüten, in anderen Ländern genauso
freigebig mit Küssen zu sein wie hierzulande.
Eine Hoheit darf noch
immer nicht ungefragt geküßt werden, lediglich protokollarische Küsse
sind erlaubt. In dieser Hinsicht haben sich die Sitten seit Rudolph I. nicht
geändert. In gleicher Weise können Küsse unliebsame Konsequenzen
nach sich ziehen, wenn sie mit der falschen Person ausgetauscht werden. Deshalb
führen sie bei Stars, Prominenten und Politikern nicht selten zum Skandal,
wenn nicht gar zum Aus ihrer Karriere. Und obschon anzunehmen ist, daß
in der westlichen Gesellschaft viel freizügiger geküßt wird
als früher, sieht noch immer der eine oder andere Mann rot, wenn seine
Frau, Freundin oder Geliebte von einem anderen einen Kuß erhält.
Ja, in manchen Gegenden Europas hat ein öffentlich geküßter
Kuß ein ernstes Nachspiel, etwa ...
Auszug aus dem Schluß
»Ich habe geliebt und ich habe
geküßt«
»Ich habe geliebt und ich habe geküßt, weil
die Liebe doch dafür erfunden ist«, singt Zarah Leander 1937 in dem
UFA-Film Zu neuen Ufern. So selbstverständlich ist die Liebe mit
dem Küssen verbunden, daß der Kuß zur Liebeserklärung
wird, zum Liebesversprechen, ja zum Vorgeschmack und Inbegriff des geschlechtlichen
Liebesaktes. Nichts, aber auch gar nichts konnte den Kuß auf seinem Eroberungszug
aufhalten, weder Vorurteile noch moralische Einwände. Immer mehr Menschen
pflegen den Lippenkuß, ob nun öffentlich oder hinter verschlossenen
Türen.
Der Grund für die Kußlust ist ebenso unprätentiös
wie simpel: Es ist die Lust selbst, die uns zum Kusse treibt. Die Lust an der
Berührung und am Geruch des anderen, die uns in die Wiege gelegt wurde.
Sie vermittelt ein befriedigendes Gefühl. Gleichzeitig verstärken
Küsse den Liebesrausch, der doch nur einen Sinn hat, nämlich die körperliche
Vereinigung. So wird der Kuß zur Lustquelle und zum Handlanger des Geschlechtstriebes.
Umgekehrt bleibt der Kuß, wenn der Trieb schon längst nachgelassen
hat. Er weist auf das, was gewesen ist, und als symbolischer Akt auf das, was
noch folgen kann oder soll.
Soweit der Lippenkuß. Aber die Lippen wollen nicht
nur Lippen berühren. Im Sinnentaumel der Lust streben sie danach, den ganzen
Körper zu erobern. Immer unzüchtiger werden die Küsse, immer
animalischer wird das Verlangen. Entsprechend Beschnüffeln und Belecken
wir einander wie die Tiere. Dieses Tierische läßt den Kuß dann
in seinem wahren Gewand erscheinen. Aber weil wir ganz anders zu sein haben
als die Tiere, wurde diesen Küssen nicht selten der moralische Krieg erklärt.
Resistent gegen Verteufelung und psychologische Denunziation haben sie jedoch
überlebt, weil ihr Fortbestehen in den Betten des Erdenrunds biologisch
gesichert scheint.
Und so bleibt dann letztendlich die Frage, ob nicht
vielleicht das geschlechtliche Beschnüffeln und Belecken den Grundstein
für den Mundkuß legen. Die Aufrichtung des Menschen vom Boden führte
entsprechend nicht nur dazu, daß wir uns von einem Nasentier zu einem
Augentier entwickelt haben, sondern auch dazu, daß sich unsere sexuelle
Kontaktaufnahme von unten nach oben verlagert hat.
Folglich wäre das,
was von einigen noch heute verunglimpft wird, nur natürlicher Ursprung
des wollüstigen Mundkusses. Dadurch werden freilich demjenigen, der den
Küssen unterhalb der Gürtellinie skeptisch gegenüber steht, diese
nicht appetitlicher, aber doch wohl verständlicher. Unter ästhetischen
Gesichtspunkten ist übrigens vieles, was mit unserer Sexualität zusammenhängt,
zurückzuweisen. Selbst der Zungenkuß ist bei genauer Betrachtung
unschön, dennoch haben wir ihn sogar als öffentlichen Akt akzeptiert.
...